Fortepiano Festival Stuttgart 2010-2016


Pressespiegel

Gäubote - Die Herrenberger Zeitung, 16.11.2016

Verzauberndes Rendezvous mit der Romantik

Gärtringen: Trio macht den originären Klang einer vergangenen Epoche erlebbar und nachfühlbar

Rüdiger Schwarz

 

Artikel: Verzauberndes Rendezvous mit der Romantik

 


 

Gäubote - Die Herrenberger Zeitung, 18.11.2015
Die Klangschönheit des Hammerflügels nimmt ein
Gärtringen: In der Kirche St. Veit setzen Yuko Abe-Haueis und ihre beiden Mitstreiter ein glanzvolles Festivalfinale
In der Gärtringer St.-Veit-Kirche nahm Lokalmatadorin Yuko Abe-Haueis an ihrem Hammerflügel Platz, einem Nachbau eines Originals aus dem Jahre 1825. Beim Abschlusskonzert des sechsten Stuttgarter Fortepiano Festivals hatte sich die Leiterin des Festivals erstmals männliche Verstärkung an die Seite geholt.
Rüdiger Schwarz

Artikel: Die Artenvielfalt der Musikinstrumente bewahren



Böblinger Zeitung, 26.11.2013
Bei der "Sturmsonate" wenig Wind gemacht
Das Finale des vierten Fortepiano-Festivals Stuttgart in der Kirche St. Veit in Gärtringen bestritt die künstlerische Leiterin selbst
Von Jan Renz

GÄRTRINGEN. Yuko Abe-Haueis ... eröffnete ihr Konzert mit Johann Nepomuk Hummels Grande Sonate D-Dur aus dem Jahr 1824,.... Seine ausladende Sonate ist reizende und reiche Musik, gerade die erlesenen harmonischen Ideen gestaltete die Pianistin überzeugend. Sie musizierte ausgesprochen elegant. Mitorganisator Prof. Johann Sonnleitner - er hat intensiv mit dem Alte-Musik-Pionier Nikolaus Harnoncourt zusammengearbeitet - fragte in seiner Einführung sicherheitshalber nach, ob es in der Kirche Besucher gäbe, die das Werk schon einmal gehört hätten. Fehlanzeige. Für alle war das Werk neu. Das kleine Festival will zweierlei: das Publikum mit Unbekanntem konfrontieren, gleichzeitig aber auch einen neuen Blick auf das Bekannte eröffnen. Das war beim folgenden Werk möglich, in Beethovens "Sturm-Sonate". ... Yuko Abe-Haueis hat sich lange mit dieser Sonate beschäftigt und ist zur Überzeugung gelangt, dass dieses Werk langsamer als üblich zu spielen ist. ... Die Pianistin lieferte eine gezügelte Deutung und setzte auf Bedächtigkeit. Man kann so Beethovens Detailarbeit besser verfolgen. ... Ganz lyrisch entwirft sie den Schlusssatz der Beethoven-Sonate, die Romantik ist nahe. So war der Weg zum Frühromantiker Schubert nicht weit. (Überschrieben war der Klavierabend mit "Das Erwachen der Romantik") Am Ende entführte Yuko Abe-Haueis in Schuberts Wunderwelt: Sie widmete sich den "drei Klavierstücken", kurz vor dem frühen Tod des Komponisten entstanden. ... Auch hier musizierte die Pianistin delikat und drängte sich nicht in den Vordergrund. In der Pause des Konzerts war der Hammerflügel die Attraktion, viele Besucher - darunter auch zahlreiche ganz junge - umkreisten das Instrument und begutachteten es neugierig. Schließlich erlebt man so einen Hammerflügel nicht alle Tage.



Stuttgarter Zeitung, 23. Oktober 2013
Musik mitten aus der Revolution
Degerloch: Beim Vierten Fortepiano Festival führt Urte Lucht Werke der Wiener Klassik auf dem Hammerflügel vor.
Von Martin Bernklau

... Zum vierten Mal gibt es ein herbstliches Fortepiano Festival in der Region Stuttgart, das eine noch überschaubare, aber schon treue Fangemeinde anzieht. Urte Lucht lehrt an der Karlsruher Musikhochschule das historische Instrument und das Cembalospiel. ... Die 1776 entstandene Sonate h Moll ist in Satz und Ton noch ganz höfisch galant. Die neue Freiheit des reifen, unabhängigen Haydn in seinen neuen Formen zeigt hingegen schon ganz ausgewachsen das Andante con variationi f Moll von 1793. All diesen Humor Haydns, seine Kühnheit und den oft geradezu jugendlich übermütigen Reichtum an überraschenden Einfällen zeichnete Urte Lucht in feinsten Gestaltungen nach. ... Und dann kam Beethoven, mit der C Dur Sonate Opus 2. Was für ein mutiger Revolutionär der damals 25 jährige bereits war, ließ die Virtuosin schon dadurch hören, dass sie die Freiheit der Formen, die verwegenen Gegenrhythmen, die kühne Harmonik auf diesem Instrument so deutlich machte. Denn das Ohr erwartet bei diesem halben Cembalo Sound instinktiv eher brave barocke Modulationen. Mit langem begeisterten Beifall dankte das Publikum für ein höchst aufregendes Konzert.



Stuttgarter Zeitung, 01. Oktober 2013
Platz für zwei
Eröffnungskonzert des Stuttgarter Fortepiano-Festivals

Von Sebastian Quint

Stuttgart - ... Der Blütezeit des Instruments zwischen 1750 und 1850 widmet sich nunmehr bereits zum vierten Mal das Stuttgarter Fortepiano-Festival, das künstlerisch von den beiden Spezialisten Johann Sonnleitner und Yuko Abe-Haueis verantwortet wird. Zum diesjährigen Eröffnungskonzert in der Stuttgarter Haigstkirche mit vierhändiger Klaviermusik von Wolfgang Amadeus Mozart waren die Straßburger Hochschullehrerin Aline Zylberajch und der französische Dirigent und Tastenmusiker Martin Gester eingeladen. ... Zum Höhepunkt des Konzerts mit Zylberajch und Gester geriet ihre Darstellung von Mozarts C-Dur-Sonate KV 521. Deren Kopfsatz loteten die Interpreten lebhaft und farbig aus, zupackend ebenso wie mit der nötigen Eleganz. Kantabel, geschmeidig und mit spannungsreicher Agogik bekam man den Mittelsatz zu hören ...



Stuttgarter Zeitung, 29.08.2012
Klassische Klaviermusik - fast wie einst Solitude
Anlässlich des Fortepiano-Festivals und der Solitude-Soireen spielte Johann Sonnleitner in der Schlosskapelle.
Von Susanne Müller-Baj

Ein Konzert auf einem Hammerflügel ist eine Reise zurück in die Musikgeschichte: Anders als beim heutigen Klavier mit seinem Metallrahmen und der enorm hohen Saitenzugspannung werden die Saiten des historischen Instruments mittels kleiner, hölzerner Hämmer angespielt, die mit Filz oder Leder bespannt sein können. Das Ergebnis ist obertöniger, weniger voluminös und in sich etwas instabiler, als man das von modernen Klavieren gewohnt ist. Allerdings: Viele Werke des 18. Jahrhunderts sind für den Hammerflügel entstanden, der damals das Standard-Tasteninstrument war. So gesehen war das Konzert in der Schlosskapelle eine der seltenen Gelegenheiten, klassische Werke in ihrem ursprünglichen Ausdruck zu erleben. Genau das ist eines der Hauptanliegen des derzeit zum dritten Mal stattfindenden Fortepiano-Festivals Stuttgart. Mit Johann Sonnleitner war am Sonntag einer seiner Mitbegründer in die Schlosskapelle der Solitude gekommen. (...)

Der Nachmittag hatte aber auch einen didaktischen Aspekt: Der Musikprofessor hatte seineigenes Instrumentmitgebracht, den Nachbau eines Hammerflügels des Klavierbauers Anton Walter (1752-1826), der von Mozart und später auch von Beethoven hoch geschätzt wurde. Um seinem Publikum den Einstieg zu erleichtern, wie er erläuterte, spielte Sonnleitner zuerst die Sonate in f-Moll von Leopold Koželuch (1752-1818): Hier führte ein gemütliches Largo behutsam an das Klangbild des Hammerflügels heran, bevor das Werk mit seinem Allegro agitato richtig Fahrt aufnahm und dann mit einem munteren Allegretto verklang. Die ursprünglich als Einstiegsstück vorgesehene Sonate in As-Dur von Joseph Haydn (1732-1809) hingegen beginne doch allzu abrupt mit dem Stirnsatz, begründete der Professor seine Wahl - und behielt natürlich Recht. Es schlossen das Adagio in h-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und das Impromptu in h-Dur des hierzulande leider viel zuwenig bekannten Václav Voísek (1791-1825) an, wobei Sonnleitner zwischen den Stücken immer wieder auch auf die feinen Verbindungen zwischen den Komponisten in Wien und in Prag hinwies. Mit dem Moment musical in cis-Moll von Franz Schubert (1797-1828) hatte er zudem ein Werk ausgewählt, das sich so fein durch die Stimmungen modulierte, dass das dem frühherbstlichen Sonntagnachmittag trefflich entsprach. Ebenfalls von Schubert, rundete der "Wiener Damen-Ländler" das Programm ab. (...)

So oder so war es ein großes Konzert, das schließlich "mit meinem liebsten Mozart- Menuett" verklang: Lehrreich, ungewöhnlich und stimmungsvoll.



Stuttgarter Zeitung, 15.08.2012
Die subtilen inneren Werte
von Martin Bernklau

(...) Die Schlosskapelle auf der Solitude ist von außen unscheinbar und innen ein Juwel. Auch beim historischen Hammerklavier, dem Fortepiano, stehen einer gewissen klanglichen Beschränkung subtile innere Werte gegenüber. Für das Fortepiano- Festival, das zum dritten Mal über die Sommerferienwochen verteilt an verschiedenen Orten in Stuttgart stattfindet, mag das gleichfalls gelten: bescheiden, aber fein. Neben dem Zürcher Professor Johann Sonnleitner ist die aus Japan stammende Musikerin Yuko Abe-Haueis Initiatorin und künstlerische Leiterin des Festivals. Sie trat am Sonntag mit einer "Élégie harmonique - Romantische Klaviermusik im Klang ihrer Zeit" vor ein sehr aufmerksames Publikum in der gut besetzten Schlosskapelle. (...)

Yuko Abe-Haueis spielte auf dem Nachbau eines 1825 in Wien gefertigten Fortepiano. Muzio Clementi, das klingt nach Klavierstunde. Doch der in Rom geborene Zeitgenosse und Rivale Mozarts war damals europaweit vielleicht noch berühmter und einflussreicher als die Großen der Wiener Klassik. Seine in b-Moll gehaltene Sonate Opus 40/2 ist eher melancholisch als pathetisch. Die sehr agogische, sprechende Deutung der Pianistin zeigte Clementi jedenfalls als ausdrucksstarken und einprägsamen Melodiker, dessen Satzkunst und formale Souveränität bis hin zu Fugato-Vielstimmigkeit von allererster Güte ist und keinen Vergleich mit jenen Großen zu scheuen braucht. "Élégie harmonique" gibt dem Konzert das Thema Dem böhmisch-tschechischen Klassiker Johann Ladislaus Dussek oder auch Jan Ladislav Dusik, mit ähnlich herausragender Begabung gesegnet und von europäischem Rang, gilt wegen seines 200. Todesjahrs das besondere Augenmerk des Festivals. Wie Clementi starb übrigens auch er in England, hochgeehrt nicht nur als Tastenvirtuose. Seine sehr empfindsame, rhapsodische und harmonisch kühne späte Sonate "Élégie harmonique" in fis-Moll gab dem Konzert das Motto und darf sicher als ein Spitzenwerk gelten, das Beethoven ebenbürtig ist. (...)

Field hat Frédéric Chopin beeinflusst, dessen F-Dur Ballade mit ihrem Wechsel von Lied-, fast Choralthema und wildem Reiterhorden-Galopp ein märchenhaftes Mickiewicz-Gedicht in Töne setzt. Es war fast eine Offenbarung, Chopin auch mal auf einem so grazilen Instrument zu hören. Dem starken Beifall tat die Fortepianistin mit Schumann Genüge, dem Chopin seine Ballade gewidmet hat. Auch "Von fremden Ländern und Menschen", Beginn der "Kinderszenen", klang sehr erhellend auf dem Hammerklavier.



Böblinger Kreiszeitung, 21.09.2011
Den nuancierten Klang des Hammerklaviers vorgestellt
Zweite Auflage des Fortepiano-Festivals Stuttgart: Yuko Abe-Haueis gestaltet einen Abend in der St. Veit-Kirche in Gärtringen
Von Jutta Rebmann

(...) Werke von Frederic Chopin und Franz Liszt standen auf dem von Yuko Abe-Haueis sorgfältig zusammengestellten Programm. "Solch ein Instrument wie dieses hier hat Chopin bei seinen Konzertreisen in Wien vorgefunden, und der junge Franz Liszt hat seine Etüden bei Carl Cerny auf einem Pianoforte geübt", erzählte Sonnleitner. (...)

Die junge japanische Pianistin Yuko Abe- Haueis lebt seit einigen Jahren in Gärtringen. Anschließend an ihr Studium in Japan absolvierte sie ein Zusatzstudium für historische Tasteninstrumente an der Schola Cantorum Basiliensis und an der Musikhochschule Zürich. Sie wurde in ihrer japanischen Heimat vielfach ausgezeichnet, ihre Vorliebe für die Musik des 18. und 19. Jahrhunderts korrespondiert mit ihrer während ihres Studiums immer mehr zutage tretenden Hinwendung zu historischen Instrumenten. Der intime Klang des Hammerflügels kommt den Interpretationen Yuko Abe-Haueis entgegen. Der erste Teil des Abends war Frederic Chopin gewidmet, der 1810 geboren, im vergangenen Jahr seinen 200. Geburtstag hätte begehen können. Neben der Polonaise op. 26 Nr. 1 brachte Abe-Haueis das anmutige Nocturne op. 27 zu Gehör. Der feine Nachklang der Saiten ließ die Töne fast durchsichtig erscheinen, das kam besonders der im Jahr 1844 entstanden Berceuses op. 57 zugute.

Nach der Pause stand mit dem im Jahr nach Chopin geborenen Franz Liszt der Geburtstagsjubilar des Jahres 2011 auf dem Programm. Liszt hat drei Gedichte das italienischen Dichters Francesco Petrarca aus seinen "Annees des Pelerinage" zweimal vertont, in den Jahren um 1838 für Klavier und Singstimme, zehn Jahre später für Klavier solo. Mit dem Notturno Nr. III, dem wohl bekanntesten der drei von Liszt komponierten "Liebesträume", ging das Konzert in St. Veit zu Ende. Yuko Abe-Haueis gelang es mit ihren sensiblen Interpretationen vorzüglich, die so ganz andere Klangwelt des Hammerflügels gegenüber seinem jüngeren Bruder im Stahlkorsett deutlich zu machen. Für den immer wieder aufbrechenden, lang anhaltenden Beifall bedankte sich die Künstlerin mit einer Ecossaise von Chopin.



Gäubote - Die Herrenberger Zeitung, 20.09.2011
Die Artenvielfalt der Musikinstrumente bewahren
Gärtringen: Die Pianistin Yuko Abe-Haueis bietet in St. Veit eine Harmonie, der kaum zu entkommen ist
Auf dem Hammerflügel spielte Yuko Abe-Haueis am Samstagabend ein Konzert mit Werken von Liszt und Chopin. Zum zweiten Mal fand ein Klavierabend im Rahmen des "Fortepiano-Festivals Stuttgart" in der Gärtringer St.-Veit-Kirche statt.
Nadine Dürr



Stuttgarter Zeitung / Leonberger Kreiszeitung, 06.09.2011
Einblicke in ein fast vergessenes Instrument
Gerlingen: Musik wie zu Mozarts Zeiten hat es auf Schloss Solitude gegeben.
Von Gabriele Metsker

Nur selten passiert es nach einem Konzert, dass sich das Publikum neugierig um das Instrument schart, wie es am Sonntagabend der Fall war. Viele wollten einen Blick in das Innere des Hammerflügels erhaschen, dessen Saiten parallel gespannt sind, allerdings nicht, wie bei einem modernen Instrument, über einen Metallrahmen, sondern über Holz. "Das passt so schön hier hinein", sagte Johann Sonnleitner, ein renommierter Spezialist für alte Tasteninstrumente, der auf Schloss Solitude nicht nur mit diesem Instrument sein Publikum verzauberte.

Es war der perfekte Rahmen für ein Hammerflügelkonzert: die Rokoko-Kapelle von Schloss Solitude. Die Blütezeit dieser Instrumente ist von 1750 bis 1850 gewesen, genau in jener Zeit, als Herzog Carl Eugen das Schlösschen bauen ließ, und in der die Meisterwerke der Wiener Klassik entstanden. Johann Sonnleitner, hat einige von ihnen in der fast ausverkauften Schlosskapelle auf einem Hammerflügel gespielt. Der Hammerflügel ist ein Nachbau eines Instrumentes von 1800. (...)

Nur zehn Jahre trennen die Grundsteinlegung des Schlösschens 1763 und die ersten Noten von Carl Philipp Emanuel Bachs "Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen" aus dem Jahre 1753. Daraus präsentierte der Pianist die Sonata V mit ihren vielfältigen Möglichkeiten, das Klangfarbenspektrum des historischen Instrumentes einzusetzen. Der Stirnsatz, noch an die barocke Form der Invention erinnernd, machte gut die signifikante Textur hörbar: Sie ist weicher als die des Cembalos und metallener als des modernen Flügels.

Wie schön ein Hammerflügel singen kann, wurde im zweiten Satz deutlich. Die Melodietöne blieben nicht nur liegen, sondern betörten durch ihren - bedingt durch die Bauweise des Klangkörpers - sanften, fast zerbrechlichen Charakter. Selbst das tänzerische Schluss-Allegretto behielt diese intime Stimmung bei, die für einen kleinen Rahmen wie geschaffen ist. Die Fantasie aus dem Jahre 1787, die Sonnleitner im Anschluss spielte, vermittelte das improvisatorische Talent des Bach-Sohnes, der in dieser Disziplin ein großer Meister war.

Zwei Sonaten und eine Fantasie von Joseph Haydn stellte Sonnleitner dem gegenüber, so dass das Publikum nachvollziehen konnte, wie sich der Meister der Wiener Klassik an Carl Philipp Emanuel Bach orientiert und weiter entwickelt hatte. Die sich entsprechenden Formen ließen sich besonders gut vergleichen und wirkten auf dem Hammerflügel mit seinen feinen Klangnuancen besonders anmutig. Dass diese mit Hilfe zweier Pedale geschaffen werden, die mit den Knien bedient werden, verriet der Pianist verschmitzt und sorgte damit für Heiterkeit im Publikum.

Sonnleitners Herz gehört dem Hammerflügel, obwohl er während seines Studiums auf modernen Flügeln gespielt hat. Der Grund ist einfach: "Ich habe als Kind auf einem alten Wiener Hammerflügel Klavier gelernt, weil wir nichts anderes hatten", erzählte er. "Der Hammerflügel ist die direkte Verbindung zum Klangideal der Klassik. Wenn man die Artikulation, die beim Cembalospiel notwendig ist, an einem Hammerflügel einsetzt, hat man ein ganz reiches Repertoire. Und man kann im leisen Bereich viel mehr abschattieren.



Stuttgarter Zeitung / Blick vom Fernsehturm, 05.09.2011
Klangkunst nach alter Art
Degerloch. Christine Schornsheim eröffnet das Pianoforte-Festival.
Von Martin Bernklau

Die Zeit hat das Instrument verändert, die Sprache hat es rüde zum Piano verkürzt: Ein Fortepiano war ein Clavier, ein Tasteninstrument, mit dem sich per Anschlag laut und leise spielen ließ - relativ laut, verglichen mit der Wucht moderner Flügel. Das war neu damals. Jetzt ist es veraltet, außer Gebrauch, fast vergessen, das historische Hammerklavier. (...)

Fast vergessen ist auch der Johann Abraham Peter Schulz, mit dessen früher Sonate in Es-Dur die Münchener Professorin für Cembalo ihr Konzert begann. Dabei galt der 1747 in Lüneburg geborene und im Jahr 1800 in der brandenburgischen Residenzstadt Schwedt gestorbene Komponist Zeitgenossen als ebenbürtig den Wiener Größen Haydn und Mozarts. Unsterblich ist er gewiss als Schöpfer des Abendliedes "Der Mond ist aufgegangen" auf das Gedicht seines Freundes Matthias Claudius.

Am empfindsamen Stil und an der hohen Schule der Geläufigkeit in der Sonate des Frühklassikers Schulz ließen sich die damaligen Vorzüge des Hammerklaviers gegenüber dem üblichen Cembalo sehr schön zeigen. Zwar erinnert der silbrig obertonreiche Klang des Fortepiano aus der Staufener Werkstatt von Christoph Kern noch an die mit Federkiel angerissenen Saitenton der Vorgänger. Der fünffüßige Nachbau eines historischen Wiener Walter-Instruments ist übrigens mit seinem Kirschbaum-Holz schon als Möbel ein erlesenes Schmuckstück. Mit der Anschlags-Differenzierung der Hammermechanik, auch mit den Farbunterschieden zwischen tiefen und hohen Lagen, wurde jene poetische Tongebung möglich, blieb jene virtuose Rasanz durchsichtig, die dem Hammerklavier in den knapp hundert Jahren seiner Blüte bei Komponisten, Interpreten und Publikum seinen Siegeszug bescherte. Spätestens von 1850 an war das Fortepiano flächendeckend ersetzt durch die voluminöser tönenden Flügel mit gusseisernem Rahmen. Sie hatten größeren Tonumfang und füllten auch große Konzertsäle mit Klang.

Bedachtsam, mit feinem Humor und rhetorisch delikat, stellte Christine Schornsheim mit der Sonate C-Dur von 1780 auch den reifen Klassiker Joseph Haydn auf originalem Instrument vor. Der Franzose Alexandre Pierre François Boëly (1785 bis 1858) steht in seiner frühen Sonate c-Moll seinem Vorbild Beethoven an musikalischer Qualität, virtuosem Temperament und expressiver Kraft kaum nach. Im langsamen Satz ließ die Pianistin auch mozartisch grazilen Charme funkeln, im Finale Kaskaden und Läufe rauschen, die aber auf diesem Instrument kammermusikalisch dezent und transparent blieben. Tastenlöwenhaft donnern kann man damit nicht. Aber das Fortepiano erlaubt über Kniehebel auch Hallwirkungen und dämpfende Moderator-Effekte.

Auch in Mozarts ruhig erhabenem Rondo a-Moll machte das sensible Fortepiano intime, jenseitig träumerische Modellierungen möglich. Nicht nur hier imponierte Christine Schornsheim mit ihrer Faible für zärtlich gestreichelte, sachte Schlüsse. Überwältigend war es, Beethovens inflationär entwertete "Mondschein" Sonate in durchdachter Interpretation mit virtuoser Geläufigkeit zu hören. Ein paar Freiheiten im fulminanten Finale schmälerten den großartigen Eindruck nicht. Das Publikum applaudierte mit höchster Bewunderung. Die Interpretin gab eine Caprice des originellen Alexandre Boëly drein.



Gäubote - Die Herrenberger Zeitung, 16.06.2010
Spritzig, melancholisch und furios
Gärtringen: Würdiger Abschluss des Hammerflügel-Festivals Stuttgart
Das erste Hammerflügel-Festival Stuttgart fand einen würdigen Abschluss in der Gärtringer Michaelskirche. Etwa 70 Interessierte hörten ein besonderes Konzert und spendeten begeistert Beifall.
Stefanie Baumann



Kreiszeitung Böblingen, 04.06.2010
Ein musikalischer Traum wird wahr
Yuko Abe-Haueis aus Gärtringen veranstaltet ab Sonntag das erste Hammerflügel-Festival in und um Stuttgart
Von Jan Renz

(...) "Ein Hammerflügel - was ist das?" Diese Frage wird der Gärtringerin Yuko Abe-Haueis oft gestellt, denn sie ist Spezialistin für dieses Instrument. Eine Antwort versucht sie zu geben, indem sie immer wieder Konzerte auf dem Hammerflügel veranstaltet, etwa 30 waren es in den letzten Jahren. Aus ihrem Wunsch diese Aktivitäten zu bündeln, erwuchs vor drei Jahren die Vision eines eigenen Hammerflügel-Festivals. Dieser Traum geht in den nächsten Tagen in Erfüllung. In und um Stuttgart wird vom 6. bis zum 13. Juni ein Hammerflügel-Festival stattfinden, das ein absolutes Novum ist. Vergleichbares gibt es laut Veranstalter in Deutschland nicht. (...)

"Wir wollen das Besondere des Hammerflügels erlebbar machen", sagt Yuko Abe- Haueis zur Zielsetzung. "Die Leute sollen erfahren können, wie ein Hammerflügel klingt." Das Instrument ist für viele Pianisten unserer Zeit Teil der Vergangenheit, aber es war lange Gegenwart: Für dieses Instrument haben Komponisten wie Haydn, Mozart, Beethoven bis hin zu Chopin geschrieben. Mit diesem Klang im Kopf entwickelten die Klassiker ihre Werke.

Für das Festival hat die Gärtringer Pianistin einen Verbündeten gefunden: Johann Sonnleitner, langjähriger Professor an der Musikhochschule Zürich, auch Komponist. Er arbeitete mit Nicolaus Harnoncourt zusammen und war Lehrer an der berühmten Schola Cantorum in Basel; wo Abe-Haueis seine Schülerin war. Gemeinsam mit ihm wurde das Festival-Konzept entwickelt. "Schwierig war es, die passenden Orte und die gemeinsamen Termine der Beteiligten zu finden", erläutert die Gärtringerin. Als Partner konnte man die Musikhochschule Stuttgart gewinnen, die ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. "Prof. Jon Laukvik war sofort an unserem Projekt interessiert"; sagt Abe-Haueis. Zudem konnten Sponsoren gefunden werden, etwa eine Bank, aber auch eine Werkstatt für historische Tasteninstrumente. Ähnlich wichtig sei aber das "Mitwirken musikbegeisterter Menschen". So wurde ein ambitioniertes Programm möglich. Die Aufführung der "Schönen Müllerin" zum Beispiel gestaltet der Stuttgarter Tenor Andreas Weller.

Für die Freunde Alter Musik in der Region dürfte das Abschlusskonzert besonders interessant sein: Es findet am Sonntag, 13. Juni, in Gärtringens Kirche St. Michael statt. Yuko Abe-Haueis wird am Hammerflügel den niederländischen Cellisten Detmar Leertouwer begleiten. Auf dem Programm stehen hauptsächlich Johann Christoph Friedrich Bachs Sonate A-Dur, Mozarts Sonate KV 457 für Hammerflügel und Beethovens Sonate opus 5, Nr. 2. (...)

Vor 13 Jahren saß sie zum ersten Mal an einem Hammerflügel - und schnell war es um sie geschehen, sie verliebte sich in den transparenten Klang. Schon vor zwei Jahren sagte sie gegenüber der KRZ: "Auf dem Hammerflügel kann man feine Nuancen ausdrücken. Der intime Klang gefällt mir sehr gut." Heute ergänzt sie: "Der Hammerflügel beeindruckt durch die Farbigkeit seines Klangs." Gleichwohl sitzt sie auch am modernen Flügel, oft auch als Klavierpädagogin. Für ihr erstes Festival wünscht sie sich eine gute Resonanz. (...) "Es gibt viele hervorragende Werke für den Hammerflügel", so Abe-Haueis, "die heute aber weitgehend unbekannt sind." Vielleicht kann die engagierte Pianistin daran etwas ändern.